Liegedauer von Dekubitusgefährdeten Patienten signifikant unterschätzt

compliant-concept - 27.03.2019

Die Dekubitusprävalenz wird einmal jährlich in den Schweizer Spitälern erhoben. Diese Erhebung wird seit 2011 unter der Federführung des Nationalen Instituts für Qualitätsentwicklung in Krankenhäusern und Kliniken (ANQ) durchgeführt. Der erhobene Prävalenzwert ergibt einen Schweizer Durchschnittswert. Werte pro Spital werden mit dem Schweizer Mittelwert unter Berücksichtigung von Risikofaktoren verglichen (Erkrankungen der Patienten, Verweildauer, Operationszeiten, Grad der Immobilität, etc.).

„Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften. Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, welche tatsächlich oder mutmaßlich mit Dekubitus assoziiert sind; deren Bedeutung aber noch zu klären ist.“

Die Risikoeinschätzung und die daraus entstehende Pflegeplanung sowie die Umpositionierung der Patienten sind einige der entscheidenden Maßnahmen um Dekubitus vorzubeugen.

Darüber hinaus, je nach Gesundheitszustand eines Patienten und der verabreichten Medikamenten die eingenommen werden, kann sich die Bewegungsfähigkeit eines Patienten während des Krankenhausaufenthaltes schlagartig verbessern oder verschlechtern. Manchmal ändert sie sich auch im Laufe eines Tages. Daher stellt die Immobilität zwar den entscheidenden Kausalfaktor in der Dekubitus-Pathogenese dar, sie ist aber äusserst schwierig durch persönliche Einschätzung objektiv zu erfassen.

Eine 2016 publizierte, randomisiert-kontrollierte klinische Studie der Fachhochschule St. Gallen (CH) zeigte deutlich, dass Pflegefachpersonen ohne technische Hilfsmittel die tatsächliche „bewegungslose“ Liegedauer von dekubitusgefährdeten Patienten signifikant unterschätzen.

Bei ca. 30 % der Studien-Patienten wurde die Liegedauer mit ausreichender Mobilität und Aktivität unter drei Stunden angenommen. Tatsächlich betrug die Liegedauer von über vier Stunden bis zu neun Stunden ohne druckentlastende Bewegung. Dies zeigt deutlich, dass Pflegefachkräfte Schwierigkeiten haben, die Aktivität und Mobilität von Risikopatienten im Bett situativ angemessen einzuschätzen.

Technologie-unterstützte Risikoeinschätzung, die die Bewegungen einer Person im Bett misst und das Gesundheitspersonal rechtzeitig und zuverlässig warnt, bevor ein Patient eine kritische „bewegungslose“ Liegedauer überschreitet, ist daher wertvoll für Patienten und Gesundheitspersonal. Es hilft Spitälern dabei, ihre Patienten künftig noch effizienter zu pflegen und ihre Dekubitusinzidenz signifikant zu reduzieren.

Eine tiefer Dekubitusinzidenzwert hilft einem Spital sich als attraktiver Dienstleister im Versorgungsmarkt darzustellen. Bereits heute listet das Online Spitallisten-Portal spitalfinder.ch die Spitäler mit ihren Prävalenzwerten auf. Pfleger und Pflegebedürftige können online die Spitäler Patientenzufriedenheit, Wundinfekte, Stürze und Druckgeschwüre Inzidenzwert sofort sehen und vergleichen. Diese wachsende Transparenz zwingt Qualitätsmanager und Stationsleiter der Spitäler nach Prozessen- und Optimierungslösungen zu suchen, um ihre Qualitätsindikatoren zu verbessern.

Die Studie ist erhältlich auf

https://www.compliant-concept.ch/content/uploads/2018/04/2015.09_Krankenpflege.pdf

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